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Wir interviewen Kiko Cerdá

Heute interviewen wir Kiko Cerdá!

Hallo Kiko, bevor wir mit dem Interview beginnen, möchten wir uns bei dir bedanken, dass du uns deine Zeit schenkst. Wir glauben, dass unsere Leser es lieben werden, alles über dich und deine Projekte zu zu erfahren.

Was bedeutet Klettern für dich? Woher wusstest du, dass du diesem Beruf nachgehen willst?

Es bedeutet alles für mich, ich bin mehr als die Hälfte meines Lebens geklettert und arbeite derzeit als Hochgebirgsführer.

Ich wurde in La Pampa (Argentinien) geboren und lebte in meiner Jugend in Patagonien, speziell in Bariloche. Dort begann ich, mich auf die Welt des Bergsteigens einzulassen: Ich studierte dort Sports and Exercise Science mit Spezialisierung auf den Bergsport, und das brachte mich zu meinen ersten Begehungen.

Ich traf erste Leute aus der Bergsteiger- und Klettergemeinde im C.A.B (Club Andino Bariloche), und fing wirklich an, mich darauf einzulassen. Ich absolvierte die Spezialisierung auf den Bergsport während meines Studiums und gab dann allerdings das Studium auf, um mich ganz dem Bergsteigen zu widmen.

Schließlich beschloss ich, den Teich zu überqueren und nach Spanien zu den Picos de Europa zu fahren, und dort beschäftigte ich mich mehr mit Klettern.

Ich liebe das Klettern von Mehrseillängen. Ich absolvierte die erste freie Wiederholung der Opera Vertical an der Westwand am Picu Urriellu und arbeitete zusammen mit Iker Pou und Ion Gurutz in Tiro Pedabejo an der Erschließung der Dardara-Route.

Ich versuche, mein sportliches Leben nicht mit meinem Berufsleben zu vermischen. Obwohl beide Hand in Hand gehen, sehe ich mich mit Sicherheit nicht als professionellen Kletterer. Ich arbeite als Bergführer und das ist mein Beruf, Klettern ist meine Leidenschaft.

Ich glaube nicht, dass es einen bestimmten Tag gegeben hat, an dem ich beschlossen habe, dass dies mein Lebensweg ist. Ich lasse mich hinreißen von dem, was ich geniesse und nun kann ich tun, was ich liebe und ich versuche, davon zu leben.


Kico Cerda ​in Teverga (Vivac)

Während deines Lebens hast du schon verschiedene Arten von Routen geklettert; Kannst du uns sagen, auf welche du am stolzesten bist? Warum? ​Welche war am schwierigsten für dich?

Von all den Aktivitäten, die ich durchgeführt habe, habe ich ein besonderes Gefühl für einige von ihnen, aufgrund der Zeit, in der ich sie gemacht habe, des Unternehmens oder dem Ort, wo sie sich befinden. Ich könnte viele Namen nennen, nicht nur Kletterrouten, sondern auch Eiskletterrouten, Bergsteigen im alpinen Stil, ich weiß nicht, sie sind alle etwas Besonderes für mich. Der Versuch den Fitz Roy, in Bolivien zu klettern, stand ganz zu meiner Anfangszeit und ich deshalb habe ich besondere Erinnerungen daran. Oder die Begehung des Int

egral del Cornión in diesem Winter hier auf den Picos de Europa… Aktivitäten, die, wie einer meiner Freunde sagt, niemanden interessieren, aber dich mit ihren besonderen Momenten prägen.

Ich könnte dir nicht sagen, welche davon für mich am schwierigsten war, für mich sind sie alle schwierig, hahaha!  Und doch erinnere ich mich an die erste freie Begehng von Artemise am Torre de las Mina de Carbón in den Picos de Europa. An den Tag erinnere ich mich schon noch, nicht auf Grund der Schwierigkeit des Weges, sondern für die Qualität des Felses. Alles hat auf mich herabgeregnet. Ich war sehr schwer den Tag mit einer freien Begehung zu beenden.


Kico Cerdá

Zusammen mit Jesús Wensell hast du die neue Route „El norte oculto“ auf dem Pico Uriellu erschlossen. Wie war die Erfahrung?

Von dem Moment an, als ich am Pico ankam, war ich verliebt, es war Liebe auf den ersten Blick. Die Qualität des Felsens ist spektakulär. Ich stand inzwischen mehr als 20 mal auf dem Gipfel, ohne die Male zu zählen, die ich berufswegen unterwegs war, und doch ist jedes einzelne Mal, wie das erste Mal. Die Illusion, die Motivation und die Freude sind immer voll dabei, aus dem Grund war die Begehung mit Jesús wieder etwas ganz spezielles für mich.

Wie ich schon gesagt habe, der Moment, der Ort, die Begleitung... Mit Johnny haben wir schon einige Wege geklettert und jedes Mal sagen wir uns, dass wir uns schon früher hätten kennen lernen sollen. Wir ergänzen uns gut. Ich glaube , dass der Pico das anerkennt und uns deshalb die Türen geöffnet hat.

Picos de Europa

Wenn du dich auf ein neues Ziel vorbereitest, wie trainierst du zur Vorbereitung? Gibt es irgendein Ritual, welches du vorher durchführst?

Ich habe noch nie ein strenges Klettertraining absolviert, aber im Laufe der Jahre, in denen ich Sport- und Bewegungswissenschaften studiert habe, habe ich mich ein bisschen besser kennengelernt.

Im Laufe des Jahres beginne ich mich zu organisieren und ich kenne die Zeiten, in denen ich mehr Zeit zum Sportklettern habe. Ich bin nicht besessen von einer Trainingsroutine. Im Winter, wenn die Bedingungen stimmen, konzentriere ich mich mehr auf alpines Klettern, so dass ich zwei- oder dreimal pro Woche in die Halle gehe, da ich im Sommer überhaupt nicht dorthin gehe um keine Zeit zu verlieren.

Habe ich ein Ritual? Natürlich, aber das kommt erst danach. Ein Bier ist ein fundamentaler Bestandteil. Ich mache das Ritual danach und nicht vorher.

Kico Cerdá

Gibt es jemanden, den du in der Kletterwelt bewunderst? Wer und wieso?

Ich bin nicht sicher, ob ich jemanden nennen könnte, aber es gibt Leute, die ich in meinen frühen Tagen getroffen habe und die mich auf den Weg gebracht haben, dem ich jetzt folge. Ich stimme mit der Art und Weise überein, wie viele Leute über Alpinismus und Klettern denken, und ich versuche, diese Sicht auch meinen Kunden zu vermitteln, so wie sie es bei mir getan haben, als ich anfing.


Picos de Europa Macizo del Comión, Norte de Peña Santa

Wo stehst du gerade in Bezug auf deine Karriere? Hast du ein zukünftiges Projekt im Sinn?

Mehr als es auf meine Karriere zu beziehen, würde ich es lieber auf das Leben beziehen. Ein toller Moment in meinem Leben, ich habe etwas, was ich liebe zu meinem Beruf gemacht. Ich nehme an, über die Zeit habe ich gesehen, wie ich beides kombinieren kann.

Es gibt immer Projekte für die Zukunft und ich bin von vielen Dingen motiviert. Wenn ich am Felsen klettere, denke ich bereits an den Winter, wenn ich Bergsteigen gehen kann, und im Winter denke ich bereits darüber nach, was ich noch alles im Sommer unternehmen könnte.

Diesen Sommer möchte ich nach Patagonien zum Urlaub machen und zum Klettern, ich habe meine Projekte, aber ich möchte noch nichts darüber sagen, bevor ich sie nicht gemacht habe.


Kico Cerdá am Naranjo de Bulnes

Und zum Abschluss ... Was bedeutet es für dich, Teil des Boreal-Teams zu sein? Was ist dein Lieblings-Schuh von Boreal? Warum?

Die ersten Kletterschuhe, die ich besaß, waren, wie ich mich erinnere, Ninjas. Ich kaufte sie in einem Second-Hand-Laden. Sie waren schon nachbesohlt worden, ich weiß nicht, wie oft, aber für mich waren sie wie ein Ferrari, ich behandelte sie wie Gold. Seitdem habe ich die Marke immer besonders gemocht und als ich es mir leisten konnte, habe ich mir Boreal gekauft. Ein Foto von Lynn Hill oder Wolfgang Güllich mit den Lasern zu sehen, war, als müsste jeder diese Kletterschuhe haben, um gut klettern zu können.

Ich bin so dankbar, jetzt Teil dieser großartigen Familie zu sein. Mit Boreal direkt zusammen zu arbeiten und gesponsert zu werden ist für mich eine wahnsinnige Freude. Für mich ist es eine Ehre, in diesem großartigen Team zu sein.

Meine Lieblingsschuhe? Zunächst der Lynx, obwohl ich der Meinung bin, dass das Mutant-Design einen enormen Entwicklungssprung gemacht hat und die Marke wieder an die Spitze gebracht hat, wo sie immer hätte sein sollen. Dem neuen Ninja gaben sie noch diesen besonderen Hauch von Qualität. Alle drei sind meine Favoriten zum Klettern.

Nun, Kiko, vielen Dank für ein wirklich nettes Gespräch. Wir sind sicher, dass unsere Leser das Interview genauso genossen haben wie wir. Bis zum nächsten Mal!




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