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Wir interviewen Simón Elías

Hi Simon,

Zunächst einmal vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Wir wollten mit dir über ein ganz besonderes Thema sprechen: die Gedanken eines Bergsteigers vor einer großen Aufgabe.

Wir denken, dass du uns dank deiner beruflichen Karriere und deiner Erfahrung im Klettern, erklären kannst, was für Gefühle bei dir aufkommen, wenn du in eine neue Route einsteigst. Wir denken, es könnte interessant für uns und unsere Leser sein sich mit deinen Gefühle zu identifizieren, welche du zu Beginn eines jeden Abenteuers spürst und zu lernen, wie du damit umgehst.



Lass uns zuerst über dich sprechen. Wie bist du zum Bergsteigen gekommen?

Ich bin in den Bergen von La Rioja geboren und aufgewachsen, an einem Ort, der weder den Ebenen Tibets noch den Nadeln von Chamonix gleicht. Aber er ist abgelegen, zivilisationsfern und tief mit der Natur verbunden. Das Bergsteigen ist eine Erweiterung meiner Liebe zu dieser Umwelt und ihrer Tierwelt, die mich seit meiner Kindheit umgibt.

Hast du ein Ritual, wenn du eine neue Herausforderung beginnst?

Konfrontation mit einer Katastrophe, mit der Möglichkeit einer Tragödie, mit dem Unbekannten, mit der Möglichkeit zu lernen und zu versagen. Es ist alles Teil meines Lebens als Bergführer, Schriftsteller und Bergsteiger. Abenteuer ist etwas, das man in sich selbst sucht.

Welche Gedanken gehen dir  durch den Kopf, wenn du vor einer schwierigen Herausforderung stehst? 

Die Möglichkeit zu lernen. Die ständige Suche als Erwachsener bis ins hohe Alter der  ist eine der größten Dinge im Leben. Sie sagen, Katzen sind intelligente Tiere, weil sie als Erwachsene weiter spielen. Die Suche nach Abenteuern hört nicht auf Teil eines Spiels zu sein, in dem wir Intelligenz oder unsere ältesten Instinkte entwickeln. Wir erzeugen gute Energie.

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Was erfüllt dich am meisten, wenn du ein neues Abenteuer an einem unbekannten Ort beginnst? 

Ich bin normalerweise ängstlicher.

Denkst du, dass du durch kurzfristigere Ziele mehr Herausforderungen bewältigen kannst als durch langfristige Ziele?

Wir können die Ziele nicht aus den Augen verlieren. Nicht, weil es sich dabei um Verpflichtungen handeln könnte, sondern weil wir durch die gute Umsorgung unsere Ziele zu dem werden, der wir sein wollen.

Welche Eigenschaft ist deiner Meinung nach notwendig, um zu bekommen, was du willst?

Die Entschlusskraft ist ​das ​Wichtigste. Genauso wie Bildung. Man kann  nicht beständig sein, wenn einem die richtigen Tools fehlen.

Wenn du mit einem Wort definieren müsstest, was du fühlst, wenn du ein Ziel erreichst, welches Wort wäre es?

Ich bin nicht wirklich zielorientiert, ich ziehe es vor, durch die Servicetür einzutreten und wieder zu gehen. Ich habe immer gesagt, dass man am Besten irgendwohin kommt, wenn man seinen Ruf ruiniert. Ab diesem Moment wird das Leben besser. Ich bekam mehr Unterstützung von Chamonix, als ich betrunken eine Autounfall hatte, als bei meiner Besteigung der Nordwand der Jorasses mit Kilian Jornet.

Was ist wichtiger, mentale Stärke, körperliche Stärke oder beides?

Motivation und mentale Stärke gehen über das Körperliche hinaus. Der Beweis ist, dass ein Antiathlet wie ich einige sportliche Erfolge erzielen konnte.

Muss kritisches Denken vor einer neuen Herausforderung sein?

Immer. Jede Herausforderung ist eine Selbstkritik. Versagen ist die beste und kreativste Form des Lernens.

Zu guter Letzt, was ist deine nächste Herausforderung? 

Ich bin nicht zielorientiert oder auf Herausforderungen ausgerichtet. Das Leben besteht einfach darin, weiter zu leben und nicht von einem Zobeltiger gefressen zu werden. So wie damals, als wir Jägersammler waren. Der Berg, das Leben in der Natur, lehrt, dass wir seit der Altsteinzeit nicht sehr viel fortgeschrittener sind. Oder zumindest, dass es das Abenteuer ist, welches ich gerne leben möchte.

Wir möchten uns nochmals bei dir für deine wertvolle Zeit bedanken. Wir sind sicher, dass unsere Fans dieses Interview lieben werden.
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